Zwischen Angst und Hoffnung

Abends, wenn die Kinder schlafen und das Haus langsam zur Ruhe kommt, sitzen wir oft noch lange am Küchentisch. Vor uns liegen Notizbücher, offene Laptops, kleine Zettel mit Ideen und To-do-Listen. Und zwischen all dem Papier liegt sie – unsere gemeinsame Sehnsucht nach einem anderen Leben.

Doch je mehr wir träumen, desto lauter werden manchmal auch die Sorgen.

Was, wenn wir auf Mallorca keinen Anschluss finden, uns fremd fühlen und der Alltag uns plötzlich härter trifft, als wir es uns ausgemalt haben? Was, wenn wir uns finanziell übernehmen? Wenn der Verkauf unserer Wohnungen in Deutschland nicht so läuft wie geplant oder weniger einbringt als erhofft? Dann würde plötzlich vieles auf wackeligen Beinen stehen – ohne das vertraute Sicherheitsnetz, das uns bisher Halt gegeben hat.

Und dann ist da noch die Frage nach unserem zukünftigen Zuhause.

Wir haben zwar bereits eine Wohnung auf Mallorca aber unser eigentliches Ziel ist es, ein Haus auf Mallorca zu finden, in dem wir als Familie wirklich ankommen können.

Und genau das ist leichter gesagt als getan.

Wir suchen ein Zuhause, das zu uns passt, zu unseren Vorstellungen und zu unserem neuen Leben. Am liebsten irgendwo, wo die Kinder genügend Platz haben, wo wir draußen sein können und wo wir dieses Gefühl bekommen: Hier möchten wir bleiben.

Gleichzeitig wissen wir, dass wir bei der Haussuche Kompromisse machen müssen. Lage, Zustand, Größe und natürlich der Preis müssen zusammenpassen. Und gerade auf Mallorca ist die Suche nach einem passenden Haus eine Herausforderung für sich.

Manchmal schauen wir uns Immobilienanzeigen an und denken: Das könnte es sein.

Und manchmal denken wir nach zehn Minuten: Nein, auf keinen Fall.

Zwischen schönen Fincas, Häusern mit Meerblick, kleinen Gärten und Immobilien, die auf den Bildern viel besser aussehen als in Wirklichkeit, versuchen wir herauszufinden, was wir tatsächlich brauchen – und was vielleicht nur ein Wunsch ist.

Und dann sind da noch meine Eltern. Sie werden mit uns nach Mallorca ziehen und in unsere Wohnung einziehen. Eigentlich ein wunderschöner Gedanke: Nicht nur wir als Familie wagen diesen großen Schritt, sondern auch meine Eltern beginnen noch einmal ein neues Kapitel.

Gleichzeitig bringt genau das eine weitere Verantwortung mit sich. Wir wünschen uns, dass sie sich dort genauso wohlfühlen wie wir, dass sie ankommen, neue Kontakte finden und Mallorca für sie ebenfalls ein Zuhause wird.

Meine Schwiegereltern dagegen bleiben in Deutschland. Auch dieser Gedanke beschäftigt uns. Denn Auswandern bedeutet eben nicht nur, etwas Neues zu gewinnen. Es bedeutet auch, Menschen zurückzulassen, die einem wichtig sind.

Vielleicht wird uns erst auf Mallorca bewusst werden, wie sehr uns diese Nähe im Alltag bisher getragen hat.

Besonders herausfordernd wird aber sicherlich die berufliche Situation meines Mannes.

Sein Unternehmen bleibt in Deutschland bestehen und damit auch ein großer Teil seines beruflichen Lebens. Während die Kinder und ich bereits auf Mallorca leben und dort unseren neuen Alltag aufbauen, wird er weiterhin beruflich viel Zeit in Deutschland verbringen und immer wieder zwischen Deutschland und Mallorca pendeln.

Wir wissen heute noch nicht genau, wie sich dieses Leben zwischen zwei Ländern anfühlen wird.

Es wird Momente geben, in denen wir uns vermutlich wünschen werden, einfach alle gemeinsam an einem Ort zu sein. Momente, in denen der Abschied am Flughafen schwerfällt und wir uns fragen, ob wir uns das Leben wirklich einfacher gemacht haben.

Aber gleichzeitig hoffen wir, dass wir genau darin unseren eigenen Rhythmus finden. Dass aus dem Pendeln irgendwann Normalität wird. Dass wir trotz der Entfernung unseren Familienalltag leben können und die Zeit, die wir gemeinsam haben, vielleicht sogar bewusster erleben.

Und doch: Trotz all dieser Ängste bleibt da unsere Hoffnung, die uns wie ein heller Faden durchzieht.

Wir wollen unseren Kindern eine Kindheit schenken, die leichter und unbeschwerter ist. Mit mehr Sonne, mehr Natur, mehr Freiheit. Ein Leben, in dem sie draußen sein können, in dem sie ihre Umgebung entdecken und vielleicht irgendwann das Gefühl haben: Die Welt steht ihnen offen.

Vielleicht ist es genau dieser Zwiespalt, der unsere Geschichte so besonders macht.

Die Angst, die uns nachts wachhält – und die Hoffnung, die uns morgens antreibt.

Wir wissen nicht, ob alles so funktionieren wird, wie wir es uns vorstellen. Wir wissen nicht, ob wir beruflich und finanziell die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Wir wissen nicht, wie sehr wir Deutschland vermissen werden. Und wir wissen auch nicht, wie sich unser Familienleben verändern wird, wenn ein Teil unseres Alltags immer wieder zwischen Deutschland und Mallorca stattfindet.

Und wir wissen noch nicht, welches Haus irgendwann unser Zuhause werden wird.

Aber eines wissen wir inzwischen ziemlich sicher:

In Deutschland fühlen wir uns nicht mehr richtig zuhause.

Und vielleicht ist genau diese Unruhe es, die uns den Mut gibt, einen neuen Weg zu gehen.

Einen Weg zwischen Angst und Hoffnung.




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