Kleine Schritte, große Fragezeichen

Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, kommt es mir fast ein bisschen unwirklich vor, dass diese ersten konkreten Schritte unserer Auswanderung inzwischen schon ungefähr ein Jahr zurückliegen.

Damals war Mallorca für uns längst mehr als nur eine schöne Urlaubsidee. Die Entscheidung war eigentlich gefallen: Wir wollten unser Leben verändern und mit den Kindern auf die Insel ziehen.

Nur wie genau das alles funktionieren sollte, wussten wir zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht so richtig.

Und damit begann die große Liste.

Dokumente, Behördengänge, Immobilien, Schule, Versicherungen, Finanzen – plötzlich gab es unzählige Dinge, um die wir uns kümmern mussten. Und bei jedem erledigten Punkt kamen gefühlt zwei neue Fragen dazu.

Einige der bürokratischen Themen hatten wir zu diesem Zeitpunkt bereits angefangen abzuarbeiten. Die internationalen Urkunden, über die ich im letzten Beitrag schon ausführlicher geschrieben habe, waren dabei ein weiterer kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Viel mehr beschäftigte uns allerdings die Frage, wo wir auf Mallorca eigentlich wohnen würden.

Relativ früh stand für uns fest, dass wir uns nicht einfach nach irgendeinem klassischen Einfamilienhaus umschauen wollten. Wir hatten schon immer eine kleine Schwäche für Stadthäuser.

Vielleicht, weil wir den Gedanken einfach schon lange schön fanden: ein typisch mallorquinisches Stadthaus, mitten in einem Ort, mit Leben drumherum, kurzen Wegen und diesem ganz besonderen Charme.

Schon bevor Mallorca überhaupt konkret als unser neues Zuhause im Raum stand, hatten wir immer mal wieder davon geträumt, irgendwann ein Stadthaus in Artà zu besitzen. Vielleicht sogar zunächst gar nicht unbedingt mit dem Gedanken, dort dauerhaft zu leben. Es war einfach eine dieser Wunschvorstellungen, die man über die Jahre immer mal wieder hatte.

Und plötzlich wurde aus diesem kleinen Traum eine ganz konkrete Immobiliensuche.

Natürlich sollte das Haus trotzdem zu unserer Lebenssituation passen. Wir brauchten ausreichend Platz für uns als Familie und wollten gleichzeitig die Möglichkeit haben, dass unsere Eltern oder Schwiegereltern irgendwann ebenfalls einen Platz bei uns finden.

Unsere Situation war dabei allerdings etwas anders, als man vielleicht zunächst denken könnte: Für meine Eltern hatten wir bereits einen Plan. Sie sollten später in unsere Wohnung ziehen, die wir schon seit einigen Jahren auf Mallorca besitzen. Das war also eigentlich schon geregelt.

Bei der Suche nach unserem eigenen zukünftigen Zuhause ging es deshalb vielmehr darum, einen Ort zu finden, der für uns als Familie funktioniert und gleichzeitig genügend Raum für Gäste und natürlich auch für die Familie bietet.

Und so suchten wir also nach einem Stadthaus, das unseren Vorstellungen möglichst nahekam.

Das Problem dabei war – wie so oft bei Immobilien – der Preis.

Schöne Stadthäuser in guten Lagen, mit ausreichend Platz und vielleicht sogar einer separaten Wohneinheit, bewegen sich schnell in ganz anderen Preisregionen. Und gleichzeitig mussten wir natürlich unsere finanzielle Situation in Deutschland im Blick behalten.

Denn unser Plan bestand ja nicht nur darin, nach Mallorca zu ziehen. Wir mussten parallel auch überlegen, was mit unseren Immobilien in Deutschland passieren würde und wie wir den gesamten Übergang finanziell und zeitlich hinbekommen.

Damit begann dieses berühmte Gedankenspiel:

Was verkaufen wir zuerst?

Was kaufen wir zuerst?

Was passiert, wenn wir das perfekte Stadthaus finden, unsere Immobilien in Deutschland aber noch nicht verkauft sind?

Und wie bekommen wir das alles überhaupt zeitlich zusammen?

Mein Mann flog damals bereits immer wieder nach Mallorca, um sich Immobilien anzuschauen und vor Ort Gespräche zu führen. Ich war währenddessen mit den Kindern in Deutschland und versuchte, den normalen Alltag und die Auswanderungsvorbereitungen irgendwie gleichzeitig zu bewältigen.

Zum Glück hatten wir weiterhin Kontakt zu unserer früheren Maklerin auf Mallorca. Mit ihr hatten wir schon bei unseren vorherigen Immobilienangelegenheiten gute Erfahrungen gemacht und sie war für uns eine wirklich wertvolle Ansprechpartnerin.

Sie half uns nicht nur bei der Immobiliensuche, sondern gab uns auch bei vielen anderen Fragen rund um unseren geplanten Umzug wichtige Tipps.

Unter anderem ging es um die NIE-Nummer. NIE steht für Número de Identidad de Extranjero – also vereinfacht gesagt die spanische Identifikationsnummer für Ausländer.

Und die ist in Spanien ziemlich wichtig. Sie begleitet einen eigentlich durch ganz viele Bereiche des täglichen Lebens, sobald man dort nicht mehr nur Urlaub macht, sondern tatsächlich etwas aufbauen und erledigen möchte. Sie wird unter anderem bei Immobiliengeschäften, Bankangelegenheiten, Verträgen, Behörden und vielen anderen offiziellen Vorgängen benötigt.

Für uns war deshalb schnell klar: Um die NIE-Nummern für die Kinder und mich mussten wir uns möglichst früh kümmern. Mein Mann hatte seine bereits durch den damaligen Kauf unserer Wohnung.

Damals war mein Spanisch noch deutlich schlechter als heute und allein die Vorstellung, mit zwei Kindern für irgendwelche Behördengänge nach Palma fahren zu müssen, war für mich schon eine kleine Herausforderung. Deshalb waren wir sehr dankbar, dass sie uns jemanden empfehlen konnte, der uns bei diesem bürokratischen Teil unterstützen würde.

Und dann gab es natürlich noch die Fragen, die nicht unbedingt etwas mit dem Umzug selbst zu tun hatten, aber für unsere finanzielle Planung unglaublich wichtig waren.

Was passiert mit unserem Kindergeld?

Das war für mich eine der Fragen, bei denen ich unbedingt eine verlässliche Antwort haben wollte.

Denn unser Plan war ja von Anfang an etwas ungewöhnlich: Ich würde mit den Kindern nach Mallorca gehen, während mein Mann weiterhin in Deutschland selbstständig bleibt und hier sein Unternehmen weiterführt.

Also rief ich bei der Familienkasse an.

Und die Antwort hat mich tatsächlich ziemlich beruhigt.

Da mein Mann Christian weiterhin in Deutschland selbstständig tätig bleibt und hier steuerlich und sozialversicherungsrechtlich eingebunden ist, wurde uns bestätigt, dass unser Kindergeldanspruch trotz unseres Wohnsitzes in Spanien grundsätzlich bestehen bleiben kann.

Genau diese Information war für uns damals sehr wichtig, weil das Kindergeld natürlich ebenfalls zu unserer finanziellen Planung gehört.

Nach der Abmeldung in Deutschland sollten wir die Familienkasse entsprechend über unsere neue Situation informieren und die notwendigen Formulare einreichen. Auch die Tatsache, dass das Kindergeld weiterhin auf unser deutsches Konto oder gegebenenfalls später auf ein spanisches Konto gezahlt werden könnte, war für uns damals eine Erleichterung.

Natürlich sind solche grenzüberschreitenden Themen immer von der individuellen Situation abhängig. Aber für uns war es damals einfach gut zu wissen, dass unser Umzug nach Spanien nicht automatisch bedeutete, dass wir auf das Kindergeld verzichten müssen.

Ein weiteres Thema, das ich unbedingt klären wollte, war meine Rentenversicherung.

Denn auch wenn wir damals voller Vorfreude auf unser neues Leben auf Mallorca waren, blieb natürlich die Frage: Was passiert eigentlich mit meiner Altersvorsorge, wenn ich Deutschland verlasse?

Wir wussten schließlich nicht, ob Mallorca für immer unser Zuhause bleiben würde. Vielleicht ja. Vielleicht aber auch nicht.

Also telefonierte ich auch mit der Deutschen Rentenversicherung.

Und auch hier bekam ich eine wichtige Information: Grundsätzlich besteht für Deutsche mit Wohnsitz im Ausland die Möglichkeit, freiwillig weiterhin Beiträge in die deutsche gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.

Damals lag der Mindestbeitrag bei rund 103 Euro monatlich.

Das klingt zunächst einmal nach einer guten Möglichkeit. Und tatsächlich kann es für bestimmte Lebenssituationen sinnvoll sein, weiterhin freiwillige Beiträge zu leisten.

Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr kam bei mir auch die Frage auf:

Macht das für mich persönlich überhaupt Sinn?

Denn nur weil man etwas tun kann, heißt das schließlich nicht automatisch, dass man es auch tun sollte.

Man kann den Mindestbeitrag einzahlen – oder natürlich auch deutlich mehr. Aber die zusätzlichen Rentenansprüche, die man sich dadurch aufbaut, stehen eben auch in einem Verhältnis zu den monatlichen Kosten.

Und gerade wenn man sich die Beträge einmal konkret anschaut, ist das nicht unbedingt die rentabelste Möglichkeit, um zusätzlich für das Alter vorzusorgen.

Deshalb ist das für mich heute eher eine individuelle Entscheidung, die man sich sehr genau anschauen sollte.

Wie sieht die eigene bisherige Rentenbiografie aus?

Wie viele Jahre hat man bereits eingezahlt?

Welche private Altersvorsorge besteht vielleicht schon?

Wie sieht die persönliche finanzielle Situation aus?

Und vor allem: Was möchte man mit seinem Geld langfristig eigentlich erreichen?

Vielleicht ist es in manchen Fällen sinnvoller, vorhandene private Altersvorsorge weiter auszubauen oder andere Formen der Geldanlage zu nutzen, anstatt jeden Monat freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.

Für mich war deshalb die wichtigste Erkenntnis gar nicht unbedingt: „Ich kann weiter einzahlen.“

Sondern vielmehr:

Ich habe die Möglichkeit – und kann später anhand meiner persönlichen Situation entscheiden, ob ich sie überhaupt nutzen möchte.

Auch das hat mir ein Stück Sicherheit gegeben.

Und genau darum ging es in dieser ersten Vorbereitungsphase eigentlich ständig.

Wir wollten nicht auf jede Frage sofort die perfekte Lösung haben.

Wir wollten erst einmal wissen, welche Möglichkeiten wir überhaupt haben.

Kindergeld? Geklärt.

Rentenversicherung? Möglichkeit vorhanden.

NIE? Ansprechpartner gefunden.

Immobilien? Noch großes Fragezeichen.

Und das Stadthaus? Immer noch ein Traum, der plötzlich erstaunlich konkret geworden war.

Damals wussten wir noch nicht, wo wir am Ende tatsächlich landen würden. Wir wussten nicht, welches Haus es werden würde, wann wir unsere Immobilien in Deutschland verkaufen würden oder wie genau unser Übergang nach Mallorca aussehen würde.

Aber wir wussten:

Wir wollen es versuchen.

Und vielleicht ist genau das das Spannende an einer Auswanderung.

Sie beginnt nicht mit dem Moment, in dem man in den Flieger steigt.

Sie beginnt viel früher.

Mit einem Traum.

Mit einem Entschluss.

Mit unzähligen Fragen.

Und mit ganz vielen kleinen Schritten, die irgendwann tatsächlich zu einem großen neuen Kapitel führen.

Damals standen wir irgendwo zwischen Vorfreude, Unsicherheit und einer ziemlich langen To-do-Liste.

Und über allem schwebte immer wieder dieselbe Frage:

Wie soll das alles am Ende eigentlich funktionieren?




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